RUCKSACK

Alles, was du über die richtige Auswahl eines Rucksacks wissen willst

Der richtige Rucksack

Rucksäcke gibt es in einer grossen Zahl verschiedener Ausführungen: Anwendungsbereich, Grösse, Ausstattungen, Material – die Variationen sind fast endlos.

Um den richtigen Rucksack auszuwählen, braucht es also gut definierte Kriterien um die vielen verfügbaren Modelle zu reduzieren.

Übersicht

Diese Faktoren schauen wir uns im Detail an. Du kannst alles durchlesen, oder direkt zu den für dich relevanten Abschnitten springen.

Tragsystem

Anwendungsbereiche

Die richtige Grösse

Richtig packen

Use Cases

Tragsystem

Das Tragsystem ist das Herzstück von jedem Rucksack. Es ist entscheidend für den Tragekomfort. Bereits hier gibt es unzählige Varianten. Anhand einiger Faktoren kann aber jedes Tragsystem beurteilt werden.

Rückenpolsterung

Grundsätzlich gilt: Je mehr Polsterung, desto weiter ist die Last vom Rücken entfernt und der Schwerpunkt weiter hinten (der Rucksack “zieht” mehr). Das ist vor allem bei grösseren Rucksäcken mit schwereren Lasten relevant. Ausserdem erhöht sich das Eigengewicht des Rucksacks, wenn eine aufwändige Polsterung vorhanden ist.

Bei eher flachen Polsterungen (z.B. bei Hyperlite Mountain Gear oder den alpinen Rucksäcken von Rab) sprechen wir von einem direkten Tragsystem, da die Last sehr nah am Rücken liegt.

Dies hat den Vorteil, dass der Rucksack Bewegungen gut mitmacht und nicht zu weit hinten raussteht. Und der Schwerpunkt der Last ist möglich nah am Körper.

Der kleine Nachteil: man schwitzt etwas mehr am Rücken.

Wir bevorzugen direkte Tragsysteme, weil wir finden, dass die Vorteile überwiegen. Und schwitzen tust du sowieso, ob der Rücken belüftet ist oder nicht.

Mittlerweile gibt es bei den verschiedenen Herstellern auch eine grosse Bandbreite an gepolsterten und belüfteten Rücken, die den Schwerpunkt nicht zu weit nach hinten bringen (z.B. die Protium Linie von Rab).

Diese liegen immer noch nah am Körper, erlauben aber durch Kanäle und Löcher eine Belüftung des Rückens.

Natürlich gibt es auch (immer) noch die Rucksäcke mit abgesetztem Rücken (Netz). Diese führen wir aus Überzeugung nicht in unserem Sortiment. Der Schwerpunkt ist zu weit hinten, der Rucksack “schaukelt” mehr, der Packsack ist durchgebogen und erschwert ein sauberes Packen und bei Wind zieht es direkt an den Rücken…

Hüftgurt

Ein guter Hüftgurt kann einen grossen Teil des Gewichts von den Schultern auf die Hüfte verlagern. Das ist angenehmer und schont den Rücken. Auch dieser Punkt ist eher bei grösseren Rucksäcken mit schwerer Last relevant.

Bei einem 20 Liter Rucksack für Tageswanderungen gepackt mit Regenjacke, Wasserflasche, Riegel und Apotheke kommt nicht so viel Gewicht zusammen, dass ich auf einen guten Hüftgurt angewiesen wäre. Kann aber trotzdem angenehm sein, weil der Rucksack so richtig am Körper sitzt.

Bei Rucksäcken für den Einsatz mit Klettegurten wird oft auf eine Polsterung des Hüftgurts verzichtet, da diese sonst den Sitz des Klettergurts stören würde. Hier gehts vor allem darum, die Last am Rücken sauber zu fixieren.

Rahmen

Die meisten Rucksäcke haben irgendeine Form von Rahmensystem. Dieses stabilisiert die Form des Rucksacks, auch wenn nicht viel drin ist und hilft bei der Lastverteilung.

Hyperlite Mountain Gear arbeitet z.B. mit 2 Aluschienen, die im Inneren des Rucksacks eingenäht sind (Porter, Junction, Waypoint). Beim Muon von Rab ist ein dünnes Gestänge aussen beim Rückenpolster angebracht. Es gibt unzählige weitere Varianten.

Bei manchen Modellen übernimmt das Rückenpolster die Funktion des Rahmens (z.B. Aspect 32 von Hyperlite Mountain Gear). Die Stabilität ist zwar nicht ganz die gleiche, gerade bei kleineren Rucksäcken aber ausreichend.

Bei Rucksäcken ohne Rahmen resp. Rückenpolster muss man etwas besser aufpassen beim Packen. Sonst wird er “sackig” oder irgendetwas stösst unangenehm in den Rücken. Dafür reduziert sich natürlich das Eigengewicht des Rucksacks.

Rückenlänge

Die Rückenlänge ist entscheidend für eine gute Passform des Rucksacks. Der Hüftgurt sollte das Becken umschliessen (nicht die Taille wie man oft sieht). Die Schulterträger sollten an den Schultern gut anliegen (und nicht nach oben abstehen – wie man auch oft sieht).

Wir unterscheiden Modelle mit anpassbarer Rückenlänge (z.B. Protium von Rab) oder Modelle mit unterschiedlichen (fixen) Rückenlängen (z.B. Hyperlite Mountain Gear).

Bei fixer Rückenlänge ist die effektive Rückenlänge relevanter als die Körpergrösse. Wenn der Rücken richtig gemessen wird, passt auch der Rucksack.

Anwendungsbereiche

Nicht jeder Rucksack ist für jeden Einsatzbereich geeignet. Hier schauen wir auf die wichtigsten Einteilungen:

Trekking

Wandern

Alpin

Natürlich gibt es Überschneidungen – auf diese gehen wir weiter unten bei den Use Cases ein.

Weitere Bereiche wie z.B. Reisen und Alltag werden hier nicht behandelt.

Trekking

Längere Touren mit kompletter Übernachtungsausrüstung (Zelt oder Tarp, Schlafsack, Matte), Kleidung und Essen für mehrere Tage.

Beim Trekking sind Volumen und Tragekomfort ausschlaggebend.

Der Rucksack muss gross genug sein, damit all dein Zeug Platz hat. Möglichst viel davon im Rucksack drin, v.a. schwerere Ausrüstung (z.B. Zelt). Aussen sollte (wenn überhaupt) nur sehr leichtes Material angebracht werden.

Wenn du hinten am Rucksack schweres Material befestigst, verändert sich der Schwerpunkt und der Rucksack “zieht” deutlich mehr. Ausserdem ist Material, welches aussen angebracht ist, dem Wetter ausgesetzt.

Bedenke, dass du für längere Touren neben deiner Ausrüstung auch ausreichend Platz für Nahrungsmittel benötigst.

Trekking Rucksäcke sind üblicherweise zwischen 55L und 70L (es gibt auch noch grössere – die werden aber sehr schwer, wenn sie voll sind).

z.B. Porter 70, Porter 55, Junction 55 von Hyperlite Mountain Gear

Spezialfall Ultralight Trekking (und Thru-Hiking):

Wenn du dein Material auf Ultralight getrimmt hast (oder vor hast das zu tun), kann der Rucksack kleiner sein.

Hier haben sich ultraleichte Modelle zwischen 40L und 55L bewährt (manche sind auch mit noch kleineren Modellen unterwegs).

z.B. Junction 40 und 55 von Hyperlite Mountain Gear oder Muon 40 und 50 von Rab

Wandern

Tageswanderungen und mehrtägige Hüttenwanderungen, in gemässigtem oder bergigem Gelände.

Wichtige Kriterien für einen guten Wanderrucksack sind Tragekomfort und Zugänglichkeit der Ausrüstung.

Die Wasserflasche sollte gut erreichbar sein und die Stöcke festgemacht werden können.

Für einfachere Tageswanderungen reicht oft ein Rucksack um 20L. Bei Bergwanderungen 25 – 30L (da etwas mehr Material wie Kappe und Handschuhe in den Rucksack gehören). Für mehrtägige Hüttenwanderungen sind 35L meist ausreichend.

z.B. Protium von Rab, Waypoint 35 von Hyperlite Mountain Gear

Wenn du Alpinwanderungen in schwierigem Gelände machst, sollte der Rucksack eine Pickelhalterung haben und nicht zu viele Aussentaschen. In diesem Fall kann ein Alpin-Rucksack (unten) eine gute Alternative sein.

Alpin

Skitouren, Hochtouren, Bergsteigen, Alpin-Klettern

Allen Alpin-Rucksäcken sind zwei Dinge gemeinsam: Sie sind eher schmal geschnitten und haben keine Aussentaschen. Beides verringert ein Hängenbleiben in schmalen Stellen im Fels und erhöht die Bewegungsfreiheit der Arme.

Ausserdem sollen sie leicht sein. Bei Kletterstellen und in der Höhe macht das einen Unterschied.

Alpin-Rucksäcke sind üblicherweise um 30L. Wenn du viel technisches Material dabei hast evtl. eher gegen 40L. Im Zustieg soll dein ganzes Material Platz haben und der Rucksack in der Route möglichst kompakt sein.

Je nach Verwendung gibt es aber noch einige zusätzliche Kriterien.

Skitouren:

  • Ein separates, schnell zugängliches Fach für Schaufel und Sonde
  • Befestigungsmöglichkeit für Ski
  • Befestigungsmöglichkeit für Pickel

Hochtouren, Bergsteigen, Alpin-Klettern:

  • Befestigungsmöglichkeit für Pickel
  • Befestigungsmöglichkeit für Seil

Bei Alpin-Rucksäcken für Hochtouren und Bergsteigen gibt es übrigens einen Unterschied zwischen der europäischen und amerikanischen Schule. In Europa gehört das Steigeisen in den Rucksack, wenn es nicht verwendet wird. In Amerika wird es eher aussen am Rucksack befestigt. Deshalb haben amerikanische Modelle of aussen eine Tasche, die – auch von der Form her – für Steigeisen vorgesehen ist.

Die richtige Grösse

Grundsätzlich gilt: so gross wie nötig, so klein wie möglich.

Wenn der Rucksack zu klein ist und du viel Zeug aussen fest machen musst, verändert sich der Schwerpunkt des Rucksacks. Das Zeug baumelt evtl. herum, ist dem Wetter ausgesetzt und kann leichter verloren gehen.

Bei zu grossem Rucksack besteht das Risiko, dass man anfängt zusätzliches Material einzupacken (“Es hat ja noch Platz”).

Um herauszufinden wie viel Platz dein Material benötigt, packe es in einen Abfallsack. 70L Sack für Trekking-Material, 35L Sack für Ultralight Trekking und Alpin. Anhand der Füllmenge im Sack kannst du abschätzen wie gross dein Rucksack sein sollte.

Wenn du mehr Material hast, als in den Sack passt, solltest du darüber nachdenken ob du zuviel und/oder zu grosse Ausrüstung hast.

Hier nochmal die Richtgrössen für die verschiedenen Anwendungsbereiche:

Trekking55L – 70L
Ultralight Trekking40L – 55L
Wandern20L – 35L
Alpin30L – 40L
Expedition70L – 100L

Ich bevorzuge einen etwas grösseren Rucksack, so muss ich am Morgen mit kalten Händen nicht milimetergenau packen. Ich weiss aber genau, was ich dabei haben will (und was nicht) und fange nicht an zusätzliches Material einzupacken, wenn noch Platz ist.

Richtig packen

Hier gibts einige Tipps zum Packen von einem Rucksack. Das meiste davon trifft eher auf grössere Rucksäcke zu, im Grundzug ist es aber auf alle Bereiche und Grössen anwendbar.

Lastverteilung

Schweres Material gehört NICHT zuunterst in den Rucksack.

Unten sollte eher leichteres Material wie z.B. der Schlafsack sein. Schwere Ausrüstung soll möglichst nah am Rücken nach oben eingepackt werden. So verhinderst du, dass dir der Rucksack ins Kreuz drückt. Nach aussen (hinten) füllst du dann mit leichterem Material auf.

Organisation

Es hat sich bewährt, die Ausrüstung zuerst in verschiedene Packsäcke zu verpacken. So hast du Ordnung im Rucksack und das Material ist zusätzlich geschützt.

Heikles Material am besten in wasserdichte Rolltop-Beutel (Schlafsack, Kleidung).

Ausrüstung, die du erst für die Übernachtung brauchst, kann unten in den Rucksack. Dinge, die du während dem Tag brauchst, zuoberst.

Material aussen befestigen

Sehr leichtes Material kann auch aussen festgemacht werden. Wir binden unser Z-Lite meist aussen an.

Auf Skitour und beim Klettern machen wir den Helm ebenfalls meist aussen fest. Dieser nimmt im Rucksack zu viel Platz weg.

Achte darauf, dass das Material gut befestigt ist. Sonst schwingt es, was sich auf den Rucksack überträgt. Das kann sehr unangenehm beim Laufen sein. Ausserdem kann es verlorengehen.

Beachte das Gelände. Wenn du z.B. in dichtem Wald mit viel Unterholz unterwegs bist, sollte möglichst nichts aussen befestigt sein. Du bleibst sonst überall hängen.

Use Cases

Die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch bei den Rucksäcken nicht. Aber je nach Ausgangslage lässt sich ein Rucksack durchaus für verschiedene Anwendungen nutzen. Ausschlaggebend dafür ist die Grösse des Rucksacks und die Range der damit verbundenen Möglichkeiten.

Man wird wohl kaum mit einem 70L Rucksack eine einfache Tageswanderung machen. Und ein 27L Wanderrucksack ist wahrscheinlich einfach zu klein, um 3 Wochen in Finnland auf Trekking Tour zu gehen.

Aber gerade Rucksäcke zwischen 35L und 55L lassen je nach Ausführung und Ausstattung einen breiten Nutzbereich zu. Wenn du unsicher bist, welches Modell oder welche Grösse du wählen sollst, helfen wir dir gerne weiter.

Mehrtageswanderung / Skitour

Ein Freund macht ab und zu Mehrtageswanderungen auf Höhenwegen. Übernachtet wird in Hütten, z.T. unbewartet und Selbstversorger. Im Winter ist er auf Skitouren unterwegs. Da er beides nicht sehr häufig macht, wollte er nur einen Rucksack.

Er benutzt den Porter 55. Dieser ist gross genug, um auch Essen für mehrere Tage und einen Schlafsack dabeizuhaben. Und im Winter lässt er sich dank des Rolltops und der Kompressionsriemen ähnlich kompakt machen wie ein 40L Porter.

Wandern / Reisen / Alltag

Ich benutze einen Daybreak 22 für leichte Wanderungen. Im Alltag hat er Platz für den Laptop. Und auf Reisen verwende ich ihn als Handgepäck. So habe ich immer auch einen kleinen Rucksack für Stadtbummel und Wanderungen dabei.

Diese Mischnutzung geht übrigens auch mit den kleineren Protium Modellen von Rab.

Weitere Beispiele folgen in Kürze…

Rucksäcke

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